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„Zunächst sind wir erstmal zum Bahnhof gefahren. Ich war ja Bahnangestellte und hatte die Berechtigung, mit der Eisenbahn zu flüchten. Aber als mein Mann Rudolf und ich am Bahnhof ankamen und den Wust von Menschen sahen, tausende von Menschen mit Köfferch
„Und nun war ich ja dann dran. Und da ich es ja nicht so sehr gewohnt war, mit einem Gespann umzugehen, habe ich den vorderen Wagen gekriegt und saß da, zitternd vor Aufregung und Kälte. Wir hatten Decken und Stroh um die Beine, lange Stiefel natürlich, a
„In der ersten Zeit waren noch alle so nett, den Wagen, die in den Graben rutschten, wieder auf die Straße zu helfen. Später, als die Situation brenzliger wurde, wurde das auch etwas weniger und es wurden durchaus mal Leute liegengelassen.“
„Überall, wo wir hinkamen, waren die Leute schon weg. Auf dem Gut Delzingen war noch ein Verwalter da und irgendeine Frau und weiter niemand.Trotzdem ist es uns gut gegangen. Wir hatten eine warme Stube zum Übernachten und Stroh für die Pferde.“
„Wir merkten ja, dass die Front näher kam, denn der Kanonendonner wurde immer deutlicher, die Angst wurde größer und jeder versuchte nun, so schnell wie er konnte, wegzukommen.“
„Viele sind nachts gar nicht von der Straße heruntergekommen. An Or t und Stelle sind sie stehen geblieben mit Pferd und Wagen und haben da geschlafen in der Eiseskälte. Die Zustände waren manchmal katastrophal.“
„Rudolf hatte Messtischblätter dabei. Er konnte sich genau orientieren: wo ist eine Möglichkeit zur Übernachtung? Wo sind Häuser? Wo kann man eventuell unterkommen? Schüchtern war er ja nun nicht,das war ein großerVorteil.“
„Das muss man sich jetzt nicht wie eine Spazierfahrt vorstellen. ‚Hü hott‘ und ab gehts. Schritt für Schritt. Hinter uns immer die Kanonen. Und je lauter sich das anhörte, desto mehr gerieten die Menschen in Panik.“
„Auf dem Schloss hatten wir das Glück, uns einmal richtig waschen zu können. Denn bis auf etwas Katzenwäsche war dies auf der Flucht nur selten möglich.“
„Am viertenTag begannen dann mehr und mehr dieTragödien. Die ersten Kinder starben, die ersten Tiere verunglückten. Und da es keine Möglichkeit gab, sie zu beerdigen, wurden sie einfach in den Graben gelegt und ordentlich mit Schnee zugedeckt. Es war schr
„In einem Ort, durch den wir fuhren, sah es wirklich ganz schrecklich aus. Da musste jemand gehaust haben wie die Vandalen. Da hatten sie die Betten zerschnitten, die Federn aus den Fenstern geworfen. Es laufen dann ja auch gleich Gerüchte: ‚die Wlassow-A
„Dann haben wir auch mal einen Sack Hafer so mitgenommen.War ja keiner mehr im Dorf.Völlig verlassen. Manchmal fand man noch die Teller auf dem Tisch, halb leergegessen. Die Angst jagt den Menschen, da kann man gar nichts machen.“
„Einmal kam uns ein Trupp Soldaten singend entgegen. Wir dachten zuerst, wir trauten unseren Ohren nicht. Ja, tatsächlich, neues Kanonenfutter. 16- bis 20jährige Bengels: ‚Jetzt braucht ihr keine Angst mehr zu haben, jetzt kommen wir.‘ Und wir schrien dan
„Da war ein kleiner Wald, durch den wir fahren konnten, abseits der Hauptstraße. Und da allgemein festgestellt wurde, dass die Lage immer kritischer wird, hatten wir natürlich gleich ‘nen ziemlichen Rattenschwanz hinten dran. Und tatsächlich, unser Glück
„Neusalz, bzw. die Oder war quasi die Grenze zwischen Krieg und Frieden. Auf der anderen Seite der totale Horror, das Elend, dieses ganze Schreckliche. Und jetzt war man hier herüber gekommen, sah die Stadt, die Leute da und dachte, man kommt in den tiefs
„Ein kleiner Hof, keine Männer mehr da, nur eine Mutter mit ihren beiden Töchtern. Wir fragten, ob wir eine Nacht bleiben könnten. Wir hatten eine Pute, noch im Urzustand, die wir rupften. Die Kartoffeln wurden von den Gastgebern geliefert und dann aßen w
„Langsam kehrte eine Ruhe ein, die wir lange vermisst hatten. In Naumburg suchten wir rechtzeitig und noch bei Tageslicht Quartier und brachen auch später erst wieder auf. Nicht wie sonst schon im Morgengrauen, um schnell voranzukommen."
„Lottka, das eine Pferd, war ein sogenannter Schwanzfänger. Sie wedelte so lange mit dem Schweif, bis sie sich in den Zügeln verfing. Daraufhin wurden beide Pferde so nervös, dass sie durchgingen und auf einen Bahnübergang zurasten. Die Schranke war unten
„Bei Dresden haben wir noch einen Luftangriff gehört. Die Flieger müssen von England gekommen sein. Das war nochmal ein einschneidendes Erlebnis, das einen wieder an den Krieg erinnerte.Vorher war man ja so friedlich unterwegs gewesen, dass man kaum noch
„Wenn ich mich richtig erinnere, standen schon am Ortseingang Torgaus Posten, die einem die neue Heimat zuwiesen.“
„Das Übelste war immer, dass man sich nicht richtig waschen konnte. Wir konnten auch nicht jeden Tag Wäsche wechseln, da wir nur das Nötigste dabei hatten. Im Hotel war von Energieknappheit mal nichts zu spüren und man konnte sogar duschen oder baden.“
„Die letzte Etappe war die abenteuerlichste.Wo bleibt man? Wo wird man wohnen? Die Ungewissheit einer unbekannten Heimat.“
„Eine Küche und eine Schlafkammer im ausgebauten Dachboden waren unser neues Zuhause. Dann hieß es ja immer: ‘Der Krieg kommt näher, der Krieg kommt näher. Was machen wir?‘ Manche wollten tatsächlich noch den Volkssturm in Bewegung setzen, um das Vaterlan
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